Dannemann

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Dannemann Im Jahre 1851 in Bremen geboren, wurde er auf den Namen Gerhard getauft, und diesen Namen behielt er bei, bis er 1872 nach Brasilien auswanderte. Von da an nannte er sich Geraldo. Seinen Familiennamen trug er jedoch weiterhin mit Stolz: Dannemann.
Schon ein Jahr nach seiner Ankunft im größten Land Südamerikas gründete er in Sáo Félix, einem Flecken am Rio Paraguaçu in der Region Recȏncavo, im Nordosten Brasiliens gelegen, seine erste Zigarrenfabrik. Hier, im Bundesstaat Cidade Bahia, nicht weit entfernt von Salvador, ehemals Brasiliens Hauptstadt, deren voller Name »Sáo Salvador da Bahia de Todos os Santos« bei nicht wenigen die Assoziation von Samba-Klängen und temperamentvollen Tänzerinnen aufkommen lässt — hier also fand der Auswanderer das vor, wonach er suchte: einen fruchtbaren Boden mit hohem Sandgehalt, ein Klima, das für den Tabakanbau wie geschaffen war, und nicht zuletzt ebenjenes Salvador, das über einen Hafen verfügte, den auch Schiffe ansteuerten, die den Atlantischen Ozean überquerten. Denn dort lag die Alte Welt, lag vor allem Europa, das in jener Zeit einen Zigarrenboom erlebte. Besagte erste Zigarrenfabrik beschäftigte mit der Aufnahme ihrer Produktion ganze sechs Arbeiterinnen — und doch war dies praktisch die Urzelle jenes Tabakimperiums, das Geraldo Dannemann bei seinem Tode im Jahr 1921 seinen Nachfolgern hinterließ. Doch bis dahin sollte noch viel Wasser den Rio Paraguaçu hinunterfließen. Dannemann wuchs in Bremen zu einer Zeit auf, die geprägt war von einem starken Wirtschaftswachstum. Zurückzuführen war das nicht zuletzt auf die im Jahre 1848 erfolgte Aufhebung eines bis dahin bestehenden Rauchverbots. Die Stadt an der Weser wurde recht bald der führende Umschlagplatz für Rohtabak aus aller Welt (und ist es für Europa noch heute) — und der kam neben Kuba und Sumatra vor allem aus Brasilien. Es verging in jenen Jahren fast keine Woche, in der in Bremen nicht eine Zigarrenfabrik gegründet wurde — zu zählen waren sie schließlich in Hunderten. In dieser Zeit lebte rund jeder zehnte Bürger der Hansestadt vom Tabakhandel und der Zigarrenherstellung. Im Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71 verwundet, lebte Gerhard Dannemann nach seiner Genesung für einige Zeit in Freiburg im Breisgau. Dort hatte er bald wieder mit dem Rohstoff zu tun, von dem er schon in Bremen so fasziniert gewesen war: Tabak. Zwar erweiterte er in Freiburg, damals eines der Zentren des Tabakanbaus in Deutschland, seine Kenntnisse auf dem Gebiet der Zigarrenherstellung, doch er erkannte auch bald etwas Wesentliches, etwas, das für ihn zum Grundsätzlichen wurde, zum Schlüssel seines beruflichen Aufstiegs: Nur eine gleich bleibend hohe Qualität garantiert den Erfolg, und nur derjenige, der vor Ort tätig ist, kann die angestrebte Qualität erreichen — und vor allem sicherstellen. Nach dieser Maxime richtete Geraldo Dannemann seine Arbeit von Anfang an aus. Bald waren aus den sechs Frauen 60 Angestellte geworden, bald 600.
Eine erste Anerkennung erfuhr das Unternehmen im Jahre 1893, als der damalige Kaiser Brasiliens, Dom Pedro II., Sáo Félix besuchte und ihm den Titel »Imperial Cigar Factory Dannemann« verlieh. Auch in den folgenden Jahren erlebte die »Kaiserliche Cigarrenfabrik Dannemann« eine geradezu explosionsartige Entwicklung. Über die gesamte Region Recȏncavo erstreckten sich Fabrikationsstätten, Lagerhäuser und Kontore, die den Namen des Bremer Firmeninhabers trugen. Gut 20 Jahre nach der Gründung seiner ersten Zigarrenmanufaktur galt Geraldo Dannemann als der größte Unternehmer im Bundesstaat Bahia. Einige wenige Zahlen mögen das belegen: Im Jahre 1895 produzierten vier große und etwa 300 kleine Unternehmen 70 Millionen Zigarren — allein für den brasilianischen Markt. Wenn dann 90 Prozent der Produktion ausschließlich in die Alte Welt exportiert wurden — die übrigen Absatzmärkte nicht mitgerechnet —, dann ist leicht zu erahnen, welche für damalige Zeiten gigantischen Produktionsziffern in den dannemannschen Fabrikationsstätten erzielt wurden. Jedenfalls war die Zigarre von »Dannemann« die erste Handelsmarke Brasiliens, die sich auf dem europäischen Markt durchsetzen konnte. Dieser Erfolg war nicht zuletzt auf den Kontakt mit Europa zurückzuführen, den der gebürtige Bremer seit seinen Anfängen pflegte und ständig ausbaute. Hinter all dem steckte harte Arbeit, nicht nur für Geraldo Dannemann und seinen Teilhaber, den Tabakhändler Ludwig Kruder, der dem Unternehmensgründer seit 1885 zur Seite stand, nicht nur für die Mitglieder des Führungszirkels, sondern auch für die zahlreichen Tabakpflanzer sowie die vielen Beschäftigten, die bei »Dannemann« in Lohn standen. Geraldo Dannemann hatte etwas, was nicht wenige Großunternehmer auch in der Alten Welt auszeichnete: soziale Verantwortung. Wie die Industriebarone im Ruhrgebiet, wie auch die Textilunternehmer am Niederrhein setzte sich Dannemann für öffentliche Belange ein — im Brasilien seiner Zeit wahrlich eine Ausnahme. So ließ er Gebäude errichten, die der Öffentlichkeit zugänglich waren, sorgte für soziale Einrichtungen, förderte auch die Infrastruktur der Region, indem er Straßen pflastern ließ und den Ausbau der Kanalisation vorantrieb, ja, sogar für die erste Straßenbeleuchtung und das erste Telefon in Sáo Félix zeichnete er verantwortlich. Begonnen hatte dieses Engagement mit der Errichtung einer Eisenbahnbrücke, die noch heute den Rio Paragguaçu überquert und die beiden Städte Sáo Félix und Cachoeira miteinander verbindet und die auf seine Initiative hin 1885 dem Verkehr übergeben werden konnte. Es geschah dies — in der Alten Welt wie in nicht wenigen Kolonialstaaten — in der Ära der Gründerzeit, und es waren die Unternehmer, die als Großindustrielle nicht nur darauf bedacht waren, ihren eigenen Wohlstand zu mehren, sondern die sich auch als Gründerväter ihrer sozialen Verantwortung stellten, indem sie das Wohl der Region, in der sie tätig waren, zu ihrer eigenen Sache machten. Wie hoch beispielsweise das Ansehen Geraldo Dannemanns war, zeigte sich im Jahre 1889, als er, nachdem Brasilien zur Republik ausgerufen worden war, zum ersten Bürgermeister von Sáo Félix gewählt wurde. Der einstige Flecken hatte sich mittlerweile zu einer respektablen Gemeinde entwickelt und vor der Bürgermeisterwahl — ebenfalls auf Initiative Geraldo Dannemanns — die Stadtrechte verliehen bekommen. Bei all diesem Engagement verlor der Großindustrielle jedoch nicht die Zukunft seines Imperiums aus den Augen. Nachdem keines seiner Kinder — seine Frau hatte ihm immerhin 13 geboren — großes Interesse zeigte, die Passion des Vaters in dem Maße zu teilen, in dem er sich das wünschte, stieß kurz vor Ende des 19. Jahrhunderts Adolf Jonas zu dem Unternehmen. Der Tabakexperte identifizierte sich voll und ganz mit der Philosophie des Gründers, die sich nach wie vor an seinem einstmals definierten Qualitätsgrundsatz orientierte. In dem Bewusstsein, die Zukunft seines Unternehmens gesichert zu wissen, kehrte Geraldo Dannemann schließlich nach Deutschland zurück. Das war kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Nachdem endlich die Waffen schwiegen, begab sich der mittlerweile fast 70- Jährige wieder nach Brasilien — und musste feststellen, dass in den vergangenen Jahren eine starke Konkurrenz herangewachsen war. Er erkannte aber auch bald, dass weniger der Zigarren- als vielmehr der Tabakexport die besten Wachstumsraten versprach. Geraldo Dannemann stellte daraufhin mit seiner letzten großen unternehmerischen Entscheidung die Weichen für die Zukunft des Unternehmens. Er leitete eine Kapitalerhöhung ein, nachdem er mit dem Unternehmen »Stender & Co« die Gründung einer Aktiengesellschaft vereinbart hatte. Schließlich wurde im Jahre 1922 die »Companhia de Charutos Dannemann«, bis heute die Muttergesellschaft der »Dannemann«-Gruppe, ins Leben gerufen — ein Jahr nach dem Tod des Mannes, der wie nur wenige andere die Welt der Zigarre mitgeprägt hat, vor allem die der würzig-milden »Brasil«, die insbesondere in Deutschland äußerst beliebt ist. Heute hat »Dannemann« seinen Sitz im westlich von Osnabrück gelegenen Lübbecke, einer Kleinstadt am nördlichen Rande des Wiehengebirges.
Mittlerweile im Besitz der Schweizer »Burger Söhne AG«, ist »Dannemann« über eigene Firmen weiter eng mit Brasilien verbunden, ist ebenfalls in Indonesien präsent, unterhält Zigarrenfabriken im thüringischen Treffurt und im niederländischen Veenendaal — und bietet in zahlreichen Ländern der Welt ein breites Portfolio von Marken an, auf deren Verpackungen immer noch das Portrait des Firmengründers zu sehen ist. Apropos Verpackungen: Die Firma »Dannemann« war es auch, die eine Klimaverpackung aus Aluminiumpapier ins Leben rief, »Humidorpack« genannt. Dieses Papier umhüllt jede einzelne Zigarre und bewahrt nicht nur das Aroma der tropenfrischen Tabake bis zum Öffnen, sondern schützt auch die Zigarre vor Beschädigungen und Umwelteinflüssen. »Dannemanns« breites Sortiment wird unter anderem durch die vielen Zigarillomarken geprägt. Zu nennen ist hier insbesondere die »Moods«, aromatisierte Zigarillos, die in kürzester Zeit zum uneingeschränkten Marktführer in diesem Segment geworden sind. Aus Lübbecke kommen aber auch »normale« Zigarren. So etwa die »Dannemann Tubes«, die entweder mit einem feinwürzigen Brasil- bzw. einem hellen Sumatra-Deckblatt oder als Havanna-Shortfiller erhältlich sind — alle im klassischen »Corona«-Format und alle zu 100 Prozent aus Tabak. Das sind auch die Longfiller aus dem Hause »Dannemann«, die einmal in Brasilien, als »Artist Line Mata Fina«, zum anderen im nicaraguanischen Esteli unter dem Namen »Artist Line HBPR« von Hand gemacht werden. Bei der Fertigung dieser Premium-Zigarren wird eine Herstellungsweise angewandt, von der man zwar schon gehört hatte, die aber schon lange nicht mehr praktiziert wurde — und somit als »verschüttet« galt. Gemeint ist die HBPR-Methode, wobei das Kürzel für »hand bunched pressed rolled« steht. Hierbei wird auf den ansonsten bei der Longfiller-Produktion üblichen Pressstock verzichtet. So sind es denn auch besonders ausgebildete Torcedores, die die Zigarren der »Dannemann Artist Line« fertigen. Mittlerweile haben beide Serien ihren festen Platz bei zahlreichen Aficionados — und das zu Recht, handelt es sich doch vor allem bei den größeren Formaten (wobei die kleineren durchaus nicht zu verachten sind) um sehr angenehm zu rauchende Zigarren, die durch ein gutes Brandverhalten und eine interessante Aromenentwicklung überzeugen. Es wäre zu platzraubend, alle Marken aufzuzählen, die unter dem Dach von »Dannemann« hergestellt und vertrieben werden, doch es ist schon bemerkenswert, wie sich eine Firma, die vor weit über 100 Jahren ihren Ursprung in einem kleinen Flecken des heutigen brasilianischen Bundesstaates Bahia fand, nicht auf ihren (wohlverdienten) Lorbeeren ausruht, sondern ständig nach neuen Wegen sucht. »Stillstand ist Rückschritt«, hat ein kluger Kopf einmal formuliert — der Satz könnte von Geraldo Dannemann stammen.
Vefasst von Dieter Wirtz aus "Das Zigarren Handbuch"

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