Romeo Y Julieta

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Romeo Y Julieta Romeo y Julieta ist, so wie auch Montecristo, eine Marke, die nach einem berühmten Werk benannt wurde, welches damals sehr gerne in den "Galeras" der Zigarrenfabriken vorgelesen wurde. William Shakespeares Liebespaar ist somit Namensgeber dieser ruhmreichen Zigarrenmarke. Heutzutage gilt die Zigarre als eine der bekanntesten, wohl auch aufgrund des leicht einprägsamen Namens. Weiters verhalf auch Winston Churchill seinerzeit der Marke zu großer Bekanntheit, da er ausgesprochener Liebhaber dieser Marke war, insbesondere des Formats Julieta No.2 (18,65 x 178 mm). Ihm zu Ehren wurde dieses Format Romeo y Julieta Churchill genannt, bis 1947 wurde es ausschließlich für Churchill persönlich hergestellt. Heute ist Romeo y Julieta die Marke mit den meisten verschiedenen Zigarren im Portfolio. Sie sind mittelkräftig und allesamt von Hand hergestellt.

"Eigentlich beginnt diese Marke erst mit dem Jahre 1903 zu leben, obwohl sie schon ein gutes halbes Jahrhundert zuvor, 1850, geboren worden war. In besagtem Jahr nach der vorletzten Jahrhundertwende erwarb nämlich Fernández Rodríguez, genannt »Pepín« (und auch meist unter diesem Namen bekannt), die Rechte an der »Romeo y Julieta« von der Firma »Álvarez y García«, die seit 1875 den Markennamen besaß und die Zigarren auch herstellte, und zwar ausschließlich für den heimischen Markt. Das änderte sich schlagartig, als »Pepín« die Geschicke der »Romeo y Julieta« in die Hand nahm. Zuvor Leiter der Zigarrenfabrik »Cabañas«, damals eine der größten auf Kuba, nahm er es zum Anlass, dort aufzuhören, als die US-amerikanische Gesellschaft »American Sumatra Tobacco« die Fabrik übernahm, um seinerseits die Unternehmerbühne zu betreten, nachdem ihm zur gleichen Zeit das Angebot unterbreitet worden war, den Betrieb »Álvarez y García« zu kaufen — nebst der Marke »Romeo y Julieta«, denn das waren die einzigen Zigarren, die die Manufaktur herstellte. Was folgte, ward in der Zigarrenwelt bis dato noch nicht gesehen.
Der umtriebige »Pepín«, als Fachmann von der Qualität der »Romeo y Julieta« überzeugt, erkannte, welches »Pfund« er mit dem Namen des berühmtesten Liebespaares der Welt in Händen hielt, und bald brannte er ein wahres Marketing-Feuerwerk für seine Zigarren ab — mit Direktwerbung, mit Events, mit Produktwerbung, mit Promotion-Touren, praktisch mit allem, was dann 90 Jahre später zum Repertoire einer wirklich guten Marketing- und Werbeagentur gehören sollte. Nach wenigen Jahren war die »Romeo y Julieta« nicht nur über die Grenzen des Inselstaats hinaus, sondern nahezu in jedem Winkel der Erde bekannt und hatte eine Berühmtheit erlangt, die durchaus mit der des Shakespeareschen Liebespaares vergleichbar war. Das war, notabene, in erster Linie auf das unermüdliche Engagement »Pepíns« zurückzuführen, der ständig durch die Welt reiste, um für seine »Romeo y Julieta« die Werbetrommel zu rühren. So taufte er eines seiner Rennpferde auf den Namen »Julieta«, das schließlich auf allen großen Turfrennbahnen Europas gegen die besten Galopper der Welt antrat; so versuchte er, die »Casa Giulietta« (»Haus der Julia«) mit dem berühmten Balkon in der Via Cappello 23, gelegen in der Veroneser Altstadt und Schauplatz des Shakespeareschen Dramas, von den Gemeindevätern der norditalienischen Stadt käuflich zu erwerben — was zwar eine Absage nach sich zog, aber zur Erlaubnis führte, jedem Besucher dieses steinernen Denkmals der Weltliteratur eine Zigarre überreichen zu dürfen (was bis Ende der 1930er Jahre praktiziert wurde); und so belieferte er Adlige und Apanagenempfänger, Minister und Moneymaker, Playboys und Premiers, Kaiser und Könige, kurz: Spitzen der Gesellschaft und solche, die sich dafür hielten, mit der »Romeo y Julieta«, die das Konterfei des betreffenden Empfängers auf ihrer jeweiligen Bauchbinde wiedergab — die zahlreichen Druckaufträge für die einzelnen Anillos gingen in die Tausende, und nicht wenige Druckereien in Havanna, die sich auf die Herstellung bunter Lithografien spezialisiert hatten, mussten damals Sonderschichten einlegen. Einer dieser Empfänger war übrigens Winston Churchill — und da der Politiker meist großvolumige Zigarren eines ganz bestimmten Formats bestellte, erhielt, so die Überlieferung, dieses Format schließlich die Bezeichnung »Churchill«.
Zwar gibt es kein kubanisches Format, das diese Bezeichnung trägt, doch das soll der Geschichte keinen Abbruch tun. Es ist ja auch nicht sicher, ob es William Shakespeare war, der das Drama um das Veroneser Liebespaar geschrieben hat. Wichtig ist jedoch, dass es dieses Stück, ohne das die Weltliteratur ärmer wäre, überhaupt gibt — und wichtig ist es für den Aficionado, dass er um das Format »Churchill« weiß. Sonderschichten fielen auch für die Arbeiter und Angestellten in der Fabrik »Romeo y Julieta« an, die sich mittlerweile nach dem berühmten Markennamen der Produkte nannte, welche hier hergestellt wurden. Doch als schließlich aufgrund der immensen Nachfrage nach den bekanntesten Havannas jener Zeit ständig neue Arbeiter eingestellt werden mussten und sich die Zahl der Beschäftigten der Eineinhalbtausendgrenze näherte, zog die Belegschaft in eine neue Fabrik um. Dort wird die »Romeo y Julieta« noch heute gefertigt — eine Havanna, die wie ehedem zu den bekanntesten und beliebtesten Vertretern ihrer Spezies gehört."
Verfasst von Dieter Wirtz aus "Das Zigarren Handbuch"

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